Psychotherapeut und Coach Dr. med. Ingo Müller München

Therapie bei Burnout, Coaching und Psychotherapie in München

„Burnout – Erkenntnisse eines Betroffenen“

„Bisher habe ich immer gut geschlafen, doch jetzt wache ich auf und bin k.o. Ich kann nicht mehr abschalten, ich bin unruhig, es kribbelt mir im Magen, ich fühle mich wie ein rastloses Etwas, das sich nicht mehr steuern läßt. Ich denke immer und immer wieder an dieselben Dinge und frage mich, wie lange das noch so weitergehen soll. Bisher hat doch alles immer ganz gut funktioniert. Ich mache meine Arbeit, ich weiß, was ich zu tun habe, ich bin geschätzt und beliebt. Da mir das sehr viel Wert ist, gebe ich mir auch Mühe – heute, jeden Tag und jeden Tag auch immer wieder ein bisschen mehr. Denn ich will ja schließlich weiterhin so beliebt sein, wie ich es jetzt bin – oder vielleicht auch noch ein bisschen mehr.

Und dann merke ich auf einmal, daß es nicht mehr so geht, wie es immer ging. Es fällt mir schwerer, ich bin irgendwie matt, ich bin müde, meine Glieder tun weh, mein Hintern schmerzt, das Kreuz wird steif. Ich bin derselbe, doch auf einmal auch ein ganz anderer, einer, der ich gar nicht sein will.  Aber bisher ging ja immer alles, und so wird es morgen auch wieder gehen. Ich stehe auf, ich ziehe mich an, ich bewältige meine fünfzig e-Mails, ich arbeite nicht bis acht sondern bis neun Uhr am Abend, und am Wochenende schlafe ich mich aus. Doch auch das gelingt nicht mehr so gut wie noch vor Wochen. Was ist los mit mir? Verdammt noch mal, ich hab wohl Burnout!

Da habe ich gelesen, daß der Stress in den Betrieben zunimmt, daß in immer kürzerer Zeit immer mehr gearbeitet werden muß und dies mit der Hälfte der Belegschaft, daß sich die Zahl der Arbeitsausfälle aufgrund psychischer Beeinträchtigungen deutlich erhöht, wenn nicht gar vervielfacht hat. Ja, das ist alles ganz ermutigend – ich bin nicht allein!

Konkret, was hilft es mir? Der morgige Tag wird wieder genauso sein wie es der heutige war, auch wenn ich das alles weiß. Wie es mir wirklich geht, das interessiert eh keinen – meinen Chef nicht, früher hat es meine Lehrer nicht interessiert und auch nicht meine Eltern. Alles ist so wie es ist, ich kann eh nichts dran ändern.

Ist es wirklich so???

Da wache ich plötzlich auf.

Ich denke darüber nach und fasse einen mutigen Entschluß:

Ab jetzt bin ich mein eigener Chef – egal, was passiert. Vielleicht kriege ich Ärger am Arbeitsplatz, vielleicht kriege ich Stress mit meinen Mitarbeitern oder gar mit meinem Chef, vielleicht kriege ich gar die Kündigung. Dann ist es eben so. Ich akzeptiere es. Ich weiß einfach, daß ich so nicht weiter machen kann und daß ich so nicht weiter machen will. Ab jetzt handle ich nur noch so, wie es für mich stimmig ist. Ich übernehme Verantwortung für mein Leben und alles, was darin geschieht. Ich werde meine Mitmenschen weiterhin respektvoll behandeln, aber das kann ich am besten, wenn ich mir selbst Respekt gebe. Ich treffe einfach eine Entscheidung und warte nicht mehr weiter ab. Alles Weitere wird sich finden, heute habe ich mich erst einmal selbst gefunden…

 

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