Psychotherapeut und Coach Dr. med. Ingo Müller München

Therapie bei Burnout, Coaching und Psychotherapie in München

„Burn in oder Burn out“

Wenn wir über psychische Beeinträchtigungen reden, dann kommen wir immer wieder nahezu zwangsläufig auch auf das Burnout-Syndrom zu sprechen. Ist es nur eine Zeit- und Modeerscheinung? Beinahe erscheint es schon chic, auch zu diesem Personenkreis zu gehören, der – ambitioniert und überall gefragt – letztlich mit den Begleitumständen seiner Bereitschaft und Talentiertheit in Konflikt gerät. Burnout bedeutet letztlich, daß der Betroffene durch Kräfteverschleiß, Erschöpfung und hohe Erwartungshaltungen immer mehr von seinen Energiereserven verliert, bis letztlich der Tank leer ist, die Batterieanzeige leuchtet rot auf. Dieses Phänomen ist – ungeachtet der vor Jahrzehnten einmal postulierten „Manager-Krankheit“ – inzwischen quer durch die gesamte Gesellschaft verbreitet. Aber wie kann es dazu kommen, was sind die Hintergründe? Diese Frage beschäftigt nicht nur Betroffene, sie wird auch in wirtschaftlicher Hinsicht immer öfter gestellt. Die Antworten freilich sind oft einsilbig und schablonenhaft. „Schau mehr auf dich, mach ein bisschen mehr Bewegung, nimm es nicht so schwer“ – wer kennt diese Ratschläge nicht. Letztlich steckt mehr dahinter, und jeder Betroffene spürt dies, selbst wenn er es bewußt nicht anerkennen mag.

„Brennen“ ist ein vielschichtiger Begriff. Etwas kann abbrennen und damit zugrunde gehen, z.B. ein Zündholz oder ein Lagerfeuer. Ein Feuer, das wärmt, kann entzündet werden. Wir können für etwas brennen oder eben nicht. Ein Datenträger kann bespielt werden, was wir ebenfalls als „brennen“ bezeichnen.

Bei Burnout wird – wie der Begriff schon eindrücklich nahelegt – Energie abgebrannt und verheizt, es wird also in jedem Fall mehr Brennstoff verbraucht als zugeführt. Eine negative Energiebilanz ist die Folge, häufig geschieht dies bei Betroffenen in unterschiedlichen Lebenslagen und -situationen immer wieder. „Wieso gerade ich?“ – eine wohl häufig gestellte, meist lautlose Frage.

Wenden wir uns den verschiedenen Möglichkeiten des Brennens zu. Wenn Dateien oder Programme auf eine Festplatte gebrannt werden, dann sind diese erst einmal da, selbst nach einer Formatierung der Festplatte sind die meisten Inhalte noch irgendwie abrufbar. Erkenntnisse moderner Wissenschaften wie der Epigenetik oder der Quantenphysik lassen den menschlichen Organismus wie einen Biocomputer erscheinen. Auch auf psychischer Ebene findet sich ein Korrelat für das, was wir technisch als Festplatte bezeichnen würden. Unser Unterbewußtes ist Träger und Speicher von unzähligen Botschaften und Programmen, die wir seit Kindheitstagen immer wieder vorgetragen bekamen, so daß wir sie letztlich „gebrannt“ haben. Wenn wir gelernt haben, daß es gut ist, so zu sein, wie andere das haben wollen, wenn wir glauben, daß Erfolg jederzeit abrufbar und meßbar sein muß, wenn wir überzeugt sind, daß wir nur dann beachtet werden, wenn wir konform und leistungsbereit sind, dann werden wir von internalisierten Programmen beherrscht, die auf unserer Festplatte gespeichert sind. Das Unterbewußte ist zäh und träge und erinnert sich stets an jede Speicherung – wir handeln also in bestimmten Situationen immer wieder in derselben Weise. Burnout ist letztlich eine logische Folge davon.

Wie können wir nun diesen Konditionierungen begegnen, die uns ein Burnout verschaffen? Die Antwort ist ebenso einfach wie herausfordernd: Burn in! Wir müssen wieder beginnen, für etwas wirklich zu brennen, für unsere Leidenschaften, Ideale, Ziele, Wünsche. Nur, wenn wir das tun, was unser Potential wachruft, was unser Kraftfeld entfaltet, entdecken wir unsere ureigene Stärke und Energie. Dies im Alltag und insbesondere im Berufsalltag umzusetzen ist oft nicht einfach, letztlich aber unerläßlich. Nur, wenn wir den Job machen, der uns wirklich auf tiefster Ebene Freude bereitet, können wir unser Potential bestmöglich entfalten. Burnout wird dann nahezu unmöglich, da wir immer neue positive Energie beziehen. Aber geht das überhaupt bei allen faktischen und wirtschaftlichen Sachzwängen des Alltags? Ja, es geht! Ob wir immer wieder kleine oder auf einen Satz große Veränderungen vornehmen, das obliegt uns. Aber wir sollten uns daran erinnern, wer wir wirklich sind…

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